FAKE NEWS - auch ohne KI

Die lange Geschichte der Bildfälschungen
20. September 2026 durch
Gerhard HINTERLEITNER

FAKE NEWS

in Form von bewusst angefertigten Fotomanipulationen und absichtlich verbreiteten  Falschnachrichten gab es natürlich schon lange vor der KI. Es ist gut dokumentiert, dass Menschen zum Erlangen eines persönlichen Vorteils immer schon Fälschungen angefertigt haben.

Jedenfalls begann das Jahr 2026 bereits mit „Pressefotos“, die sich als krasse Bildfälschung mittels KI herausstellten. Der venezolanische Präsident Nicolás Maduro wurde höchst plakativ mit Handschellen abgeführt - umringt von US-Soldaten. Einige Medien und Journalist:innen fielen darauf herein (Links dazu unten).

Die echten Fotos von Maduro mit Handschellen existieren allerdings, sie wurden auch von seriösen Medien veröffentlicht. Die echten Fotos waren aber wohl für Propagandazwecke zu wenig plakativ, also ließ man kurzerhand Fälschungen mittels KI erstellen. 

Die Fälschungen waren so präzise, dass sie von einigen Fotoagenturen ungeprüft in die Bilddatenbanken übernommen wurden. Medienhäuser wie die deutsche Funke-Gruppe fielen darauf herein und veröffentlichten die Fake-Bilder, wofür sie sich später öffentlich entschuldigen mussten. Die gefälschten Bilder wurden millionenfach auf Plattformen wie X und Facebook geteilt – unter anderem auch von bekannten Politiker:innen.

Die KI macht es heute Fälschern besonders leicht: Von echten Fotos werden die nötigen Pixel einfach gestohlen und zu neuen „Bildern“ (sagt bitte nicht Fotos!) montiert, die wie echt aussehen sollen, aber tatsächlich freche Fälschungen sind.

Allerdings sind Manipulationen und Fälschungen von Fotografien im Grunde nichts Neues. 

Schon seit der Erfindung der Fotografie werden Aufnahmen nachträglich bearbeitet. Dieses „Handwerk“ war bis zum Beginn des digitalen Zeitalters allerdings mühsam, das Entfernen, Einfügen und Zusammensetzen von Bildteilen und insbesondere von Personen unter Berücksichtigung des Hintergrunds erforderte Genauigkeit bei der Retusche und Montage des neuen Prints. Dabei war das unretuschierte Negativ ja immer noch vorhanden, es sollte aber bei Fälschungsabsicht niemals wieder auftauchen. 

Mit den digitalen Bildbearbeitungsprogrammen kam dann die einfache und massenhafte Verbreitung der „kleinen“ Fälschungen, der Schönheitsretuschen an den - meist weiblichen - Stars und ihren Körpern, aber auch das Hinzufügen oder Entfernen von Hintergründen, störenden Personen und Bildteilen

Auch Pressefotos können seither wesentlich leichter manipuliert werden, sofern man wenig von einem Ehrenkodex hält und es bewusst auf Fälschung - aus welchen Gründen auch immer - anlegt. Fotograf:innen wurden deswegen schon von ihren Agenturen oder Medien gekündigt, es gibt also durchaus harte Konsequenzen, um Fälschungen seitens der Urheber:innen zu verhindern. Aus zwei hintereinander folgenden Aufnahmen ein einziges „besseres" Foto zu mixen kann offenbar manchmal ein großer Anreiz sein (siehe Bildergalerie).

Manche Medien produzieren und verbreiten nach wie vor bewusst Fälschungen zur Unterstützung ihrer Agenden, und ob die neue Kennzeichnung als „KI“ (oder wie bisher „Bildmontage“) ausreichen wird, bleibt abzuwarten. Da nicht jedes manipulierte Bild auf jeder Plattform gekennzeichnet werden muss, kann das auch bewirken, dass viele der nicht markierten - aber dennoch gefälschten - Bilder für echt gehalten werden, was wiederum das grundsätzliche Vertrauen in die Echtheit von Pressefotos schwer beschädigen kann. 

Wichtig ist daher, dass echte Pressefotos eine nachvollziehbare Entstehungsgeschichte haben, dass die Urheber:innen als Augenzeugen in den Bilddateien (IPTC) hinterlegt sind und dass die Fotograf:innen auch im Bildhinweis bei jeder Veröffentlichung deutlich genannt werden. 

Vor Jahren habe ich für einen Vortrag zu diesem Thema diverse Beispiele von historischen und damals bekannten Bildmanipulationen zu sammeln begonnen. Ich darf hier einige passende zeigen, die Bilder und Texte sprechen für sich.

Dazu gibt es auch einige lesens- und sehenswerte Links: